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WALBRA-Story

Walbra wurde 1971 von 5 Schülern des Moll-Gymnasiums in Mannheim gegründet. Drei von ihnen haben 4 Jahre lang die Geschicke von WALBRA wesentlich mitbestimmt: Jörg Dubiel: dr, voc; Lutz Knakrügge: g, bg, ts und Joachim Emmert: g, voc. Gespielt wurden Stücke von J.Hendrix, Chicago, Crosby, Stills, Nash&Young, Santana, CCR und Deep Purple, später auch Jazzrock-angehauchtes Material von Loudermilk, Kriegel und Duke, sowie zunehmend eigene Songs mit deutschen Texten. Der erste bedeutende Sänger war Peter Pagani, mit einer Stimme, die der von Neil Young täuschend ähnlich war; der erste Lead-Gitarrist, Hans-Jürgen "Yogi" Störtz, sah aus wie Jimmy Hendrix und konnte auch so spielen. Beide verließen die Band 1973 wegen anderer Projekte. Fast alle Bandmitglieder waren Schüler oder Ehemalige (Abi 1972) des Moll, der Proberaum war bis 1975 ebenfalls dort.

Mit 2 Bläsern, Gerald Bretterbauer: tr,bg, und seinem Bruder Martin Bretterbauer: tb, beide ebenfalls Moll-Schüler, sowie dem exzellenten, jazzorientierten Pianisten Peter Mahrla: p, wurde 1974 ein Auftritt bei einem Open-Air in Ludwigshafen bestritten.

Einen letzten Aufguß von WALBRA I, jetzt unter dem Namen WIR, gab es 1975, mit einer ungewöhnlichen Besetzung, dadurch interessantem Sound und deutschen Texten. Leider ist die Qualität der Aufnahmen so schlecht, daß eine Wiedergabe des Original-Sounds aus dieser Zeit nicht mehr möglich ist. Neben Jörg Dubiel: dr, backvoc und Klaus Leue: bg, spielten Joachim Emmert: g, Hans-Peter Jarosch: leadvoc, g und Lutz Knakrügge: ts. Der eigenwillige Sound zwischen Rock und Jazz ergab sich aus dem Zusammenspiel der Gitarren mit dem Saxophon und dem (deutschen) Gesang). Wie die großen Deep Purple zur gleichen Zeit zerfiel auch Walbra Ende 1975 in eine Funk/Jazz- und eine Rock-Fraktion; zusätzlich zerstreuten Studium und Beruf die Bandmitglieder in alle Winde; später stellte sich zwar heraus, daß alle innerhalb Baden-Württembergs geblieben waren, aber zumindest Mannheim verliessen Ende der 70er Jahre (fast) alle.

In den 80ern gaben Lutz ("Kondensmilch", Neue Deutsche Welle, MA), Jörg ("Fruity Frank", Schülerband, BB) und Joachim (Firmenband in Waldbronn, bei KA) jeweils ein Zwischengastspiel bei anderen Gruppen.

Als 1994 zur Hochzeit von Jörg, dem früheren Drummer von WALBRA, Joachim: g, voc, zusammen mit seinem Sohn Volker: dr, aufspielte, reifte die Idee, WALBRA zum Silbernen Abi 1997 irgendwie wieder auferstehen zu lassen. Doch die Entfernung und die berufliche Einbindung liessen eine erneute Zusammenarbeit nicht mehr zu; auch neue Kommunikationstechniken (Versenden von MIDI-Files) konnten das nicht ändern. Trotzdem entstanden mit Hilfe moderner Computertechnik, orientiert an alten Aufzeichnungen, die alten Stücke 1995 langsam neu. Zur Produktions-Rumpftruppe stieß Anfang 1996 der versierte Keyboarder und Tontechniker Marco Naethbohm: keyb, synth, seq; im Mai des gleichen Jahres noch der Sänger und Keyboarder Marcus Dörr: voc, keyb, g. Auf relativ hochwertigem Equipment konnte in der Musik-Insel auf der Friesenheimer Insel in Mannheim produziert werden, Marco und Marcus brachten aufgrund ihrer Jugend neue, moderne Ideen mit ein. Marco stieg zwar Ende 1996 wieder aus, aber vor allem Marcus konnte durch einige Neukompositionen wesentliche Beiträge liefern, so daß im Mai 1997 eine CD mit 5 alten, neu arrangierten und 5 wirklich neuen Stücken vorlag. Daher auch der Titel Nova Erupta (Neuer Ausbruch) und der Untertitel "Past and Ambition" (frei übersetzt: Vergangenheit und Zukunftspläne). Aufgenommen wurde die CD im eigenen (Home-)Studio im "Mike-Oldfield-Stil", d.h. eine Spur nach der anderen, da alles von 3 Leuten zu bestreiten war: Marcus Dörr, Volker Emmert und "Oldie" Joachim (Joe) Emmert. In einzelnen Stücken wirkten Gastmusiker mit, die Texte waren jetzt durchgehend englisch. Im Rückblick wirkt diese CD zwar gut arrangiert, gemessen an den aktuellen Ansprüchen war jedoch die technische Ausführung nicht überzeugend.

Im Herbst 1997 spielte WALBRA II bei einem Musikwochenende. Für diesen Auftritt, der weitgehend "unplugged" durchgeführt wurde, konnte Marcus nochmal gewonnen werden; danach ging er zu der Progressive Rock Band Sfumato nach Darmstadt. Als Bassist wirkte bei diesem Auftritt erstmals Hans-Jürgen Kuhr: b, backvoc, mit. Der entwickelte sich in Folge zu einem wichtigen, engagierten Mitglied bei WALBRA; er zeichnete z.B. für viele Arrangements verantwortlich. Aber durch Marcus' Weggang entstand zunächst eine große Lücke; es drohte wieder der Bruch. Da stieß im März 1998 Axel Zickgraf: p, keyb, zur Truppe, und Joachim übernahm z.T. den Gesang. Allmählich wurde in dieser Besetzung ein instrumental orientiertes Programm aus Oldies und eigenen Stücken erarbeitet, mit dem seit Anfang 1999 auch Live-Auftritte bestritten wurden. Im Herbst 1999 wurde retrospektiv eine sog. DAM-CD bei MP3.COM produziert, mit vier nachbearbeiteten Songs der Nova Erupta und einem Stück vom Liveauftritt beim Musikwochenende 1997.

Im Mai 1999 kam mit Andrea Orosz erstmals eine Sängerin zu WALBRA. Andrea passte zunächst mit Stimme und stilistischen Vorlieben gut in das Konzept, außerdem war sie neben Joachim und Volker Emmert das dritte Band-Mitglied als Ehemalige des Moll. WALBRA II war daneben zu dieser Zeit auch fast eine "Firmenband" von Boehringer Mannheim, jetzt Roche Diagnostics, da alle entweder aktuell bei dieser Firma arbeiteten oder gearbeitet hatten. Obwohl 1999 dort auch ein Auftritt anläßlich eines Produktions-Jubiläum bestritten wurde, gibt es auch Unrühmliches zu berichten, da im Rahmen der Roche-Übernahme Axel und Joachim Ende 1998 hinausgemobbt wurden.

Mit Andrea wurde das Live-Programm erweitert, alte Songs wurden neu arrangiert, neue Stücke kamen hinzu. So wurden im Laufe der nächsten Jahre ca. 30-40 Stücke für ein Live-Programm erarbeitet, daneben entstanden Songs für eine neue CD, die technisch sauberer und mit ausgereifter Technik produziert werden sollte. Aber das stellte sich real viel schwieriger heraus als es zunächst erschien, weil dieser Aufwand Zeit und Geld bedeutet hätte, das beides keiner hatte. So blieb es bei Kirchen- und Partyauftritten mit bescheidenem Erfolg und schliesslich einer halbprofessionellen Proberaumproduktion im Dezember 2000 auf 4-Spur-Analogtape, mit minimaler digitaler Nachbearbeitung. Die CD "Live-haftig" (Demo 2000) enthält 7 Songs, 3 von der Nova Erupta, neu arrangiert, und 4 ganz neue, alle im quasi-live Sound, mit Axel's Keyboards und Hans-Jürgen's Bass als neuem Markenzeichen von WALBRA II.

Das Jahr 2001 brachte noch ein paar schöne kleine Erfolge, u.a. ein auch in der Presse beachteter Kirchenauftritt und eine Riverboot Shuffle. Aber es wurde immer schwerer, kleine lokale Auftritte zu bekommen. Dafür gab es einige Gründe: Mannheim's Musikszene wurde immer professioneller, mit grosser Konkurrenz wirklich guter Bands, und bei Strassenfesten wurden lieber Fremde (u.a. aus Frankfurt) eingeladen, als dass man lokalen Bands eine Chance gegeben hätte. "Die hat der Fisch-Peter gesponsert, der kennt die, Euch kennt man ja nicht...". "Wir sind im Internet, aber wer ist der Fisch-Peter, den kennt ja keiner.........."; z.T. hat es sicher auch an der professionellen Einstellung gemangelt, manche in der Band haben das Ganze einfach zu sehr als Nebenbei-Hobby betrachtet, andere Dinge waren wichtiger, dazu kam noch beruflicher Stress. Zunehmend wurde auch vom Publikum das Zusammenspiel von klarer Frauenstimme und Rockmusik plus die dazugehörigen Arrangements nicht akzeptiert, was schlieslich im Sommer 2002 wieder zur Trennung von Sängerin Andrea Orosz führte. In der hektischen Schlussphase im Herbst 2002 wurde schliesslich noch eine zweite Andrea (Andrea Fluhr) und ein Sänger (Andreas Bruch) ausprobiert und auch Aufnahmen mit ihnen gemacht. Beide hatten aber mit ihren Bands andere Ziele, und inzwischen war sowieso das Ende von WALBRA II klar geworden. Nach dem Mobbing bei Roche wurde Bandleader Joachim von der Uni Heidelberg ein zweites Mal "entsorgt" ("es besteht die Gefahr einer Dauerbeschäftigung") und ging 2003 ins Wirtschaftsasyl in die Schweiz. Die letzten Aufnahmen im November / Dezember 2002 bildeten zusammen mit weiteren Aufnahmen von 1997-2002 (z.T. live) das Material für eine letzte CD mit dem bezeichnenden Titel "Intermezzo". In knapp 80 min. spannt die CD einen Bogen vom Musikwochenende 1997, über Fasching 1999, ein kleines Open-Air 2000, die Aufnahmen der "Live-haftig" 2000 und den Auftritt im "Zähringer Hof" in Schwetzingen 2002 bis zu den neuen Sängern Ende 2002. Damit ging nach 8 Jahren das Projekt WALBRA II auch wieder zu Ende, diesmal nicht durch Studium und jugendliche Rivalitäten, sondern im besten Erwachsenenalter durch lokale Ignoranz und Ablehnung des Publikums, und vor allem durch kaltherzige, unfähige Manager und Verwaltungsleute, die Menschen mit einem Federstrich einfach ihrer wirtschaftlichen Grundlage berauben.

Zurück bleibt kalte Wut, aber auch die Erinnerung an schöne Songs und Auftritte, und ein bischen Wehmut................

Schweiz, im Juli 2003

Joachim Emmert